Der Lamborghini Jarama 400 GT Coupé ist selten, kraftvoll und der persönliche Favorit von Ferruccio Lamborghini.
Die frühen 1970er Jahre waren eine Zeit der Gegensätze. Während der Lamborghini Miura als Supersportwagen für schillernde Auftritte sorgte und der viersitzige Espada auf Langstreckentauglichkeit setzte, stellte der Jarama die perfekte Balance zwischen beiden Konzepten dar. Der 1970 auf dem Genfer Salon vorgestellte Jarama war das letzte Coupé mit V12-Frontmotor, das unter der direkten Leitung von Ferruccio Lamborghini entwickelt wurde. Der Name stammt aus der Region Jarama in Spanien, durch die der gleichnamige Fluss fliesst. Bertone und Stardesigner Marcello Gandini verliehen ihm eine kraftvolle, kompakte Form mit trapezförmiger Silhouette, halbverdeckten Klappscheinwerfern und einer ikonischen Linienführung. Während seine Vorgänger mit radikalen Designs glänzten, war der Jarama ein vergleichsweise konventioneller, aber dennoch aggressiv gezeichneter Grand Tourer.
Vom Jarama wurden insgesamt 327 Exemplare gebaut, von denen nur 20 das Werk mit dem seltenen Dual Sunroof verliessen. Dieses Fahrzeug wurde ursprünglich in die USA ausgeliefert und von seinem Besitzer in Kalifornien in Violett umlackiert. Nach seiner Rückkehr nach Europa wurde das Fahrzeug in einer aufwendigen Restaurierung durch die Lamborghini Classic Abteilung Polo Storico wieder in den Originalzustand versetzt. Heute erstrahlt der Wagen wieder in der Originalfarbe "Tahiti Blue", die perfekt zum beigefarbenen Interieur passt. Motor, Getriebe und Stossdämpfer wurden direkt vom Lamborghini Polo Storico bis ins kleinste Detail überarbeitet, die Karosseriearbeiten unter strengster Aufsicht und ständiger Begleitung eines Polo-Storico-Experten durchgeführt. Das begehrte "Blaue Buch" des Lamborghini Polo Storico dokumentiert heute jede durchgeführte Arbeit und bestätigt die einwandfreie Originalität des Fahrzeugs.
Unter der Haube des Jarama 400 GT arbeitet ein 3,9-Liter-V12 mit 350 PS. Damit beschleunigt er in unter sieben Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine beeindruckende Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Dank seines Radstands von nur 2,38 Metern ist der Jarama sowohl agil in Kurven als auch stabil auf langen Autobahnfahrten. Die Plattform basiert auf der des Espada, allerdings mit einem um 270 Millimeter verkürzten Radstand, was ihn spürbar wendiger macht. Sein Design zeichnet sich durch eine markante Frontpartie mit halb verdeckten Scheinwerfern aus, deren Klappen nicht nach oben, sondern nach unten klappen. Während Lamborghini bei vielen Karosserieteilen höchste eigene Ansprüche verfolgte, finden sich am Heck Rückleuchten des Fiat 124 Coupé – ein pragmatisches Detail, das sich bei vielen Klassikern dieser Epoche findet.
Ferruccio Lamborghini selbst sagte 1991 in einem Interview mit dem Magazin Thoroughbred & Classic Cars: „Ich habe den Jarama allen anderen vorgezogen, weil er der perfekte Kompromiss zwischen Miura und Espada ist. Der Miura ist ein Sportwagen für jene, die jung im Herzen sind, ein Höllentempo lieben und gerne mit dem Auto gesehen werden. Ich persönlich empfand den Miura eine Zeit lang als zu extrovertiert. Der Espada wiederum war mein Rolls-Royce: auch sehr schnell, aber gross und komfortabel. Der Jarama ist perfekt, wenn man einfach nur EIN Auto möchte.“ Was könnte eine grössere Bestätigung für den Charakter dieses Wagens sein, als die Worte seines Schöpfers selbst?
Der Jarama erreichte zwar nie den Ruhm eines Miura, doch sein kompromissloses Konzept, seine unverwechselbare Form und seine exquisite Technik machen ihn zu einem der am meisten unterschätzten Meisterwerke der Marke Lamborghini. Dank einer umfassenden Restaurierung befindet sich dieses Exemplar heute in einem absolut makellosen Zustand – ein echtes Sammlerstück, von dem es weltweit nur sehr wenige gibt.